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Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen

und das erst recht, wenn er mit Kunesto auf Entdeckungstour geht.

Am 7. Februar, einem der wohl kältesten Tage dieses Winters stand der Tagesausflug nach Brühl: Auf den Spuren des Künstlers Max Ernst auf dem Kunesto-Programm. Trotz einer Wetterwarnung des DWD vor strengem Frost unter minus 15 Grad strahlte die Sonne und schickte ein wenig Wärme durch das eisige Blau zu den Kunesto-Reisenden. Der RE 5 umfing uns mit wohliger Wärme und ein geräumiges Abteil schien gerade auf uns gewartet zu haben. Schon bald entspannen sich die Gespräche und die Vorfreude auf “die Spuren von Max Ernst”.
Pünktlich erreichten wir den Hauptbahnhof von Brühl. Hauptsächlich Großbaustelle und nur ein kleiner Haltepunkt der DB. Aber geschichtsträchtig, wie wir später von unserer Stadtführerin, Anke Broich, erfuhren. Die Trasse gehört zu den ersten im Rheinland und wurde gebaut, um ein landschaftlich besonders ansprechendes Gebiet zu erschließen. In direkter Achse zum Bahnhof lag vor uns das Brühler Schloss Augustusburg im gleißenden Sonnenlicht. Wir fühlten uns wie die englische Königin Viktoria, die 1845 dem Schloss und den Parkanlagen einen Besuch abstattete. Humorvoll wird deshalb heute der vom Verfall bedrohte Bahnhof auch “Viktoria Station” genannt.
Im funkelnden Sonnenschein durchwanderten wir die winterlich anmutenden Baumalleen und den Rokoko-Garten mit direktem Blick auf das Jagdschloss Falkenlust. Überraschend und nur ein paar Schritte weiter, erreichten wir die Brühler Innenstadt, die sich direkt an die Parkanlagen anschließt. Anja Broich erklärte kompetent und anekdotenreich, “der Ort Brühl wäre 1285 kaum zu seinem Stadtrecht gelangt, wenn die selbstbewussten Domstädter ihrem Erzbischof Siegfried von Westerburg vor 725 Jahren nicht so zugesetzt hätten, dass diesem nur die Flucht nach “broglio”, dem heutigen Brühl blieb. Es wäre viel Sehenswertes nicht entstanden: nicht die Wasserburg, nicht die Stadtmauer und auch nicht die vielen mittelalterlichen Töpferwerkstätten und auch nicht die Schlussfolgerung der Brühler, die Kölner sind an allem schuld!”
Auf unserem weiteren Weg wandelten wir dann auf den Spuren von Max Ernst. Im wärmeren Kirchenraum der Franziskanerkirche breitete Anke vor uns den Werdegang des dritten Kindes des Taubstummenlehrers Philipp Ernst aus und zitierte Amüsantes aus seinen autobiografischen Notizen. Versehen mit diesem Rüstzeug endete unser anschaulicher Stadtrundgang geradewegs vor dem Max-Ernst Museum.
Nach einem kleinen Mittagsimbiss im Restaurant “Chez Max” erlebten wir den Maler, Bildhauer, Zeichner und Dichter Max Ernst im ehemaligen Brühler Pavillon, in dem nach einer wechselvollen Geschichte (u.a. als vornehmer Tanzsaal und Treffpunkt für die besser gestellten Kölner Gesellschaftskreise, als Kinder- und Erholungsheim bzw. auch als Altersheim) heute das weltweit erste Max-Ernst Museum untergebracht ist.
Eine exklusive Führung nur für unsere Kunesto-Gruppe schenkte uns einen tiefen und anschaulichen Einblick in das Werk des großen Dadaisten und Surrealisten Max Ernst (1891-1976). Mehr als 70 Plastiken erschließen das bildhauerische Werk und über die grafische Sammlung können wir nur staunen. Besonders beeindruckend und zu Herzen gehend sind die “D-paintings”, Geburtstags- und Liebesgeschenke von Max Ernst an seine Frau, die Künstlerin Dorothea Tanning.
Zum Abschluss des Tages und bevor wir von der “Viktoria Station” unseren Heimweg nach Düsseldorf antraten, kehrten wir noch einmal im Chez Max ein. Es besteht Einigkeit: Das war ein herrlicher Tag in prunkvoller Schloss- und Stadtatmosphäre. Eine gelungene Mischung aus Kunst und Kultur, mit einer charmanten Stadtführung und einer exzellenten Führung durch Kunstströmungen, die Max Ernst maßgeblich beeinflussten – Jugendstil, Futurismus, Fauvismus, Kubismus. Wir durften einen Hauptakteur der Dada-Bewegung näher kennenlernen und erhielten Einblicke in die surrealistischen Arbeitstechniken des vielseitigen Künstlers.

Von Ute-Gisela Minnerop, 10. Februar 2012

3 Kommentare zu Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen

  • Anja Broich sagt:

    Liebe Frau Minnerop,

    soeben ehielt ich von Frau Foulon, Max-Ernst-Museum, den Link zu Ihrem interessanten Blog-Beitrag und möchte mich bei Ihnen herzlich dafür bedanken. Es war wirklich ein außergewöhnlicher Vormittag mit sehr interessierten Menschen. Die frostigen Temperaturen taten ihr übriges. So waren wir gezwungen, ein wenig zu improvisieren, um der Kälte zu entgehen, was uns ja gelungen ist, denn niemand hat “Frostschäden” davongetragen.
    Vielleicht sehen wir uns einmal wieder in Brühl, ich würde mich freuen.
    Alles Gute und herzliche Grüße
    Anja Broich

    • Ute-Gisela Minnerop sagt:

      Ein Wiedersehen in und um Brühl wäre bestimmt ein Highlight, liebe Frau Broich. Mich würde brennend interessieren, ob man das Schloss vielleicht vor einem Konzert oder einer besonderen Kunst- oder Musikveranstaltungen besichtigen kann? Dazu dann noch einen Spaziergang von der Innenstadt bis zum Jagdschloss und ich bin sicher, ich käme nicht allein! Gejagd wird ja sicher nicht mehr, aber werden Picknicks im Rahmen von Veranstaltungen durchgeführt?
      Mich bewegen Neugierde und Kreativität und Ideen folgen Taten.
      Herzlichst
      Ute-Gisela Minnerop – Veranstaltungsbegleiterin bei Kunesto -

  • Klaus sagt:

    Sehr lesenswerter Blog macht Spaß zu lesen.

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